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Am ersten Mai waren wir auf dem Maifest in Kreuzberg unterwegs, gerade fällt mir ein, dass das vor ein paar Jahren mal Myfest geschrieben wurde, vielleicht wird es das auch immer noch, ich weigere mich aber zu schreiben “wir waren auf dem Myfest”. Grillschwaden und so herrschten vor, K. merkte an, dass die meisten Leute, die unterwegs waren nicht so aussähen, als ob sie viel Spaß hätten. Wir kauften uns Kuchen. Rhabarber-Streusel und Mohn-Streusel, in einem Laden am Heinrichplatz, Ecke Mariannenstraße, also am südlichen Ende vom Heinrichplatz, ich habe allerdings vergessen, wie der heißt, primär ist der auch kein Kuchenladen, sondern verkauft irgendwas anderes. Klamotten? Schmuck? Der Kuchen schmeckte auch so. Nicht, dass Kuchen dieser Art beim durchschnittlichen Berliner Bäcker besser schmecken würde, aber von einem Klamotten- oder Schmuckladen erwartet man natürlich noch weniger, dass er guten Kuchen verkauft. Beide Kuchen waren sehr dick. Der Rhabarberkuchen bestand hauptsächlich aus einem recht künstlich nach Zitronenaroma schmeckenden Teig, einer viel zu dünnen Schicht Rhabarber und ein paar Streuseln, die ok waren, oben aber noch mit normalem Haushaltszucker bestreut waren, was besonders K.s Missbilligung hervorrief. Der Mohnkuchen war mächtig, aber das sind alle Mohnkuchen, und bestimmt mit einem fertigen Mohnzeugs so wie Mohnback oder wie das heißt hergestellt, so einer Mischung aus gemahlenem Mohn, Zucker, Aromen und noch irgendwas, damit der Mohn nicht ranzig wird. Das wird er nämlich sehr schnell, und deshalb ist er recht unpraktisch, eigentlich müsste er immer frisch gemahlen werden, gute Bäcker tun das auch, andere nehmen so ein Mischzeugs. Obendrauf auf dem Kuchen waren die gleichen Streusel und der gleiche Haushaltszucker wie auf dem Rhabarberkuchen. Beide Kuchen waren also nicht unbedingt empfehlenswert, allerdings erwartet man von einem Straßenfest zur Krawallverhinderung auch nicht, perfekten Kuchen bereitzustellen.

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