Blaubeerkuchen in den Alpen

Langsam gerät das hier aus dem Ruder, es erscheint beinahe so, als wäre ich andauernd unterwegs. Bin ich eigentlich gar nicht. Letzte Woche allerdings war ich in Österreich, auf dem Bauernhof, auf dem ich als Kind jedes Jahr Urlaub gemacht habe. Früher gab es dort eine alte Bäuerin, die fast jeden Tag köstlichste Dinge buk: Krapfen, Buchteln, Torten, Kuchen, Plätzchen, Strudel, Pfannkuchen (im nichtberliner Sinn) und noch viel mehr. Sie war herzlich und freundlich und man traf sie fast immer in ihrer warmen, sehr altmodischen Küche, wo immer der Holzofen brannte. Einen anderen Herd besaß sie gar nicht. Weil sie leider nicht mehr lebt, versuchte ich mich in diesem Jahr an dem einzigen Rezept, das sie mir gegeben hat, als sie noch lebte, dem Ribiselkuchen. Jetzt gab es keine roten Johannisbeeren mehr, dafür war der Wald voller Blaubeeren, deshalb nahm ich die.
Das Rezept ist mit Vorsicht zu gebrauchen. Wie man wohl auf dem Bild erkennen kann, ist der Boden ein wenig trocken geworden, was an verschiedenen Dingen gelegen haben mag: Das Rezept verrät keine Backzeit, ich habe den Kuchen wohl ein bisschen zu lange drin gelassen. Der Ofen, in dem ich ihn gebacken habe, war ein uralter Gasherd, mit dessen Temperaturen ich nicht vertraut war, und dann fand das alles ja auf einem Berg statt, wo die geringere Luftfeuchtigkeit eigentlich auch noch hätte eingeplant werden müssen. Als ob das noch nicht genug Abschreckung wäre, muss das Rezept auch noch verdoppelt werden, will man es in einer rechteckigen Kuchenform wie auf dem Bild backen. Für eine kleinere Springform reicht vermutlich das originale Rezept, aber weil wir den Kuchen nie anders als in einer rechteckigen Form zu sehen bekommen haben und es sich um einen Nostalgiekuchen handelt, würde ich das nicht tun.
So geht er:
Teig
150g Puderzucker
Vanillezucker
3 Dottert
50g Butter
250g Mehl
1/2 Päckchen Backpulver
1/16 (!) l Milch
3 EL Wasser
Belag
3 Eiweiß
200g Ribisel (rote Johannisbeeren, in diesem Falle Blaubeeren)
Zucker, Vanillezucker, Dotter und Wasser schaumig rühren, zerlassene Butter und Milch einrühren, Mehl und Backpulver zusammensieben, dazugeben und schnell einrühren. Teig in eine gefettete Form geben und hellgelb backen.
Für den Belag Eischnee schlagen, Zucker dazurühren und die Masse auf den Kuchen streichen. Ribiseln drüberstreuen und bei geringer Hitze fertigbacken.
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